Schwungrad Trends – Attraktivität durch Innovation
Prof. Axel Venn | Axel Venn, Zukunft und Trends
Dieser VORTRAG wurde im JULI 2008 auf der tendence “Messe Frankfurt” gehalten.
„Schwungrad Trends – Attraktivität durch Innovation”
LIFESTYLE IST TREND!
Der Redner hat die Absicht aufzuzeigen, wie großartig Produkte eine animierende Life-Style-Welt fabrizieren können. Flächenprodukte, Farben, Silhouetten, Schatten, Matt- und Glanzreflexe helfen, den Menschen und ihren Möbeln, Bildern und Accessoires die richtige Kulisse zu geben. Das Wohnambiente wird immer deutlicher zum singulären Ausdruck der Persönlichkeit:
„ Zeig mir, wie Du wohnst, und ich sage Dir, wer Du bist.“
Der einzigartige inhaltliche Focus für das Ambiente lautet: „Pimp my life“.
Immer geht es um das eine Ziel: Wohnen überhöhten Sinn und nobilitierende Bedeutung zu geben und somit materiellen und ästhetischen Werten eine philosophische, persönlichkeitsstrukturierte Prägung zu verleihen. Nach dem vergangenem hedonistischen Modell gilt danach nur noch jenes, Sinneslust und Leidenschaft befördernde, epikureische Muster, das sich auf Daseinsoptimierung kapriziert.
Epikureismus – das Modell der Daseinsoptimierung
Das einzelne Produkt allein ist nichts. Erst im orchestralen Zusammenspiel erhält es Gestalt, Poesie und Authentizität. Die Image-Bedeutung steht im Vordergrund, die reine Funktionalität im Abseits und die Realität ist backstage verborgen. Der Hype des Ungewöhnlichen, Identitätsstiftenden und Neuen, das gar nicht so „neu“ sein muß, besitzt adrenalinhaltige Substanz.
Trend ist eine Droge, Lifestyle ist das traumhafte Bestreben, seinem Dasein eine sachzwangfreie Essenz zu geben. Jedes private Lifestylemanagement nimmt in erster Linie Bezug auf die eigene Person.
Die große Liebe zu uns selbst bildet den Ausgangspunkt und zugleich den Horizont dessen, was wir darstellen. – Wir selbst sind der Maßstab für das Schöne, Ebenmäßige, Gleichklangige, Ausbalancierte und Harmonische:
„Suche Gleichgesinnte(n) für Harmonische Stunden.“
lautet die universale Metapher für die Paßgenauigkeit von Typ zu Typ, Charakteren und Personen, aber auch für Katzen, Mäuse und Köter. Am liebsten möchten wir uns ziemlich haarklein geklont stets und überall wiederfinden.
Das Narzissmus-Syndrom: am liebsten fänden wir uns 1000fach geklont wieder.
Neben Zwei- und Vierbeinern werden Objekte zu Lieblingen ihrer Besitzer ernannt. – Produkte sind dann erst wirklich gut, wenn sie die Eigenschaften von Persönlichkeitsdekoren besitzen. – Die Queen trägt eine Krone, hält Reichsapfel und Schwert. – Die moderne Hausfrau und der fast ebenso fortschrittliche Hausherr tragen Gel an den Schläfen und farbige Blockstreifen im Haar, mindestens Escada oder Armani um die Hüften, thronen im Lounge-Chair vor dem knisternden Marmor-Kamin und empfangen Gäste, im Thronsaal Küche und dürfen anstelle von Irish Stew, Slow-Food vertilgen. –
Gäste empfangen wir am liebsten im Thronsaal Küche.
Im Gegensatz zu etablierten Angehörigen von Königs können Sie sich dem unbeobachteten Lümmeln, Liegen, Loungen und Lieben vor dem Kamin hingeben, dabei Weinchen schlürfen, Nüsschen knabbern und Süßholz raspeln.
Anschließend geht’s ins Spa-Bad, dem heimlichen Spiel-, Gesundheits- und Erregungsplatz für fortgeschrittene Teilnehmer des animationsfreudigen Zeitgeists und libidonösen Zeitgefühls. – Die reine Körperpflege weicht der Seelenpflege: Champagner- den aus dem wohlausgestatteten Badesalon-Kühlschrank, Parfumdusche, Tropendusche, Wasserfälle, Lieblingsfilme vom vor Spritzwasser geschützten hochauflösenden Flatscreen, Massagebank, Rad- und Trampelstrecken, zwei Badewannen und Dreifachwaschbecken, sowie der Panoramablick über’s weite Rund der Nachbarschaftswohnungen oder Liegenschaften gehören ab sofort zur Mindestausstattung unseres heimischen Recreationcenters. Das Bonsaibad mit durchschnittlich 7,4 m² gehört genauso der Vergangenheit an, wie das Schlafzimmer, möglichst mit Doppelbett, Schrankmonster und Nachttischchen von putzigen Lämpchen funzelig beschienen .
Im Spa Bad weicht die Körperpflege der Seelenpflege.
Das Einzelbett ist gefragt, Schlafen, Schweben in 75cm Höhe. Der Hausherr, die Dame des Hauses bitten gelegentlich morgens – gemeinsam wie damals Louis XIV und XV zum lever, zum feierlich inszenierten Bettverlassen.
Die elegante und emanzipierte Dame und der Galan schlafen ab sofort wieder getrennt, weil der Geschmacksminister Formen dieser oben angedeuteten, bürgelich-tradierten Schlaf-Kultur auf den Index gesetzt hat.
Das Schlafzimmer mit Doppelbett und Schrankmonster ist passée.
Die Folge: Ab sofort schlafen Pärchen wieder getrennt. Männer müssen nicht mehr gezwungener Maßen in Rosa-Rot und vor Gelb-Orangefarbenen mit Herzen, Schleifchen, Schleiflack und Großfotos von der eigenen Hochzeit bestückten Wänden schlafen, und Frauen dürfen ab sofort schnarchfrei in olfaktorisch optimierter Umgebung schlummern.
Frauen haben ihren Salon und Männer das heimlich langersehnte Herrenzimmer zurück.
Nicht mehr Komplettausstattungen für unsere eigenen vier Wände sind gefragt, sondern solitäre Kleinode in Lifestyle-Formaten sind „In“.
Wohnen ist Lebenselixier und kein Ermüdungsbarbiturat.
Jedes klitzekleine Segment oder Accessoire ist ein Artefakt und Produkt unserer Passion. Der Rollgriff in die Kiste vorgestanzter Wohnmodelle, ob von Ikea, Dings oder Bums oder sonstwem bedeutet einen grobfahrlässigen Verzicht auf Identität.
Gestalten, Kreieren, Zaubern, Entwickeln und Designen gehören zu den angenehmen, uralten Leidenschaften der Menschen. Die Wiederentdeckung der Wand als bedeutendster Ruhepol- und zugleich Anregungsbereich des Wohnens ist gerade ein paar Jahre vorbei.
Neue Interpretationen für die Attraktivierung des Wohnens werden entwickelt. Ein Grundthema der Neudefinition lautet:
Wände bilden das Passepartout für das Wohnen; sie geben Räumen Ausdruck und Gestalt.
Die Inszenierungen des Ambientes beruhen auf einer Vielzahl von Gestaltungsmerkmalen. Die weichen Faktoren stehen im Fokus der Motivlagen. Das folgende Ranking versucht hier Klarheit zu schaffen:
Auf der Suche nach der Motivation – Home-Tuning
1•Ästhetik, Normen, Rezepte
2•Life-Styles, Zeitgeist, Zeitgefühl
3•Stile, Epochen, Trends
4•Individualität versus Kollektivismus
5•Dynamik, Temperament, Charakter
6•Identität, Identifikation
7•Status, Image, Marke
8•Stimmungen, Empfindungen, Gefühle
9•Wert, Qualität, Quantität
10•Einzigartigkeit, Unikat versus Adaption
11•Gemütlichkeit, Komfort, Geborgenheit
12•Echtes, Unechtes, Kitsch + Kunst
13•Sicherheit, Ortung, Ordnung
14•Umwelt, Mitwelt, Ökonomie
15•Humanfunktion/Ergonomie/Physiologie
16•Gesundheit, Wellness, Fitness
17•Feminines versus Maskulinem
18•Funktion, Nutzen, Pflege
Zum Download des Vortrages
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Beitrag vom 28. Juli 2008



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