Optische Täuschungen - Auszug aus: “Farbiger Wohnen - aber wie”

Prof. Axel Venn | Farbwahrnehmung

Optische Täuschungen: Wirklichkeit und Wahrnehmung sind nicht immer ein und dasselbe. Auf dieser Seite sind vier Beispiele dargestellt, die dies beweisen. Betrachtet man zum Beispiel das linke lila-gelbe oder das schwarzweiße Gitter, so entdecken wir auf den Kreuzungspunkten Farbeffekte, die beim Betrachten leicht von einer Position in die andere hinüberschwanken. Dieser effekt trägt den Begriff „hermannsches Gitter“, der in der Weise hervorgerufen wird, dass eine Art „Überforderung“ der Farbrezeptoren aufgrund eines übergroßen Kontrasts entsteht. Diese reizung führt zu partiellen Gegenreizungen, die das Punkteflimmern erklärlich macht. Dieser effekt tritt sowohl bei schwarz-weiß- als auch Farbe-zu-Farbe-Phänomenen auf.

In ähnlicher Weise erklärt sich das hellere, blau-graue Kästchen. Im weissen Kreuz des grossen schwarzen Quadrats, erscheint es heller als im schwarzen Kreuz darunter. Dieses Phänomen nennt man „simultankontrast“ weil es sich um ein unmittelbares Sehereignis handelt. Farbe ist niemals ein isolierter vorgang, sondern es sind alle sichtbaren Töne beteiligt, die ihren jeweiligen Beeinflussungspart spielen. Wahrnehmen ist kein passiver, sondern aktiver Prozess, der von erfahrenen, anekdotischen, erlernten, aber auch angeborenen, biologisch-evolutionären Voraussetzungen gelenkt wird.
Da jeder Mensch innerhalb seines lebenskreises individuelle Prägungen erfährt, können wir nicht davon ausgehen, dass wir unsere Umgebung auf die gleiche Art und Weise wahrnehmen und interpretieren, ihr also einen gleichen realen Sinn geben. Wir erlernen im Leben bestimmte Wahrnehmungsmuster, die uns zum Beispiel sagen lassen, „Blau ist meine Lieblingsfarbe“ oder aber „rot, Gelb, Grün, rosa“.

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Beitrag vom 9. März 2009