Männer mögen’s schwarz (Interview mit Prof. Axel Venn in der Zeitschrift “die neuen Bäder”)
Prof. Axel Venn | Farbgestaltung
FSV: Schwarz ist zurzeit eine Trendfarbe im Bad. Man sieht vermehrt schwarze Wannen, schwarze Waschtische, schwarze WCs. Was ist Ihrer Meinung nach die Ursache dafür?
Venn: Ich weiß nicht, ob meine Antwort Sie jetzt verwundern wird. Aber ich sehe diesen Schwarz-Trend als ein Signal an – ein Signal zur Emanzipation der Männer. Und das gilt nicht nur fürs Badezimmer, sondern auch für andere Bereiche. Man kann in den Wohnungen wieder vermehrt eine Vorliebe für die dunklen Farben feststellen. Und das ist eine Befreiung der Männer vom bisherigen Geschmacks-Matriarchat der Frauen.
FSV: In der Vergangenheit regierten also die sanf-
ten Töne der Frauen und jetzt kommen die
kräftigen Töne der Männer?
Venn: Ja. Darüber hinaus gibt es auch eine Wiederkehr des alten Herrenzimmers.
FSV: Was ist denn der Hintergrund dieser Emanzipation der Männer?
Venn: Häuslichkeit hat ja einen neuen Wert gewonnen. Das kann man auch unter dem Begriff „Homing“ zusammenfassen. Die Heimat des Mannes ist wirklich wieder das Zuhause und eben nicht nur der Keller und der Garten, in dem er bisher arbeiten durfte. Der Mann sieht plötzlich – das ist wirklich eine neu gewonnene Erkenntnis –, dass man zu Hause sehr angenehm leben, feiern und dann auch relaxen kann. Kneipen werden nicht mehr so häufig besucht – das ist lästig und kostet Geld. Zudem gibt es auch das Statusprodukt des Wohnens. Und das lässt sich wunderbar mit Schwarz demonstrieren. Was ich noch sehe: Die Frauen haben entdeckt, dass Männer ihre eigenen Wohnbereiche brauchen – und sie partizipieren ganz gerne davon.
FSV: Das heißt, die Wohnung wird aufgeteilt – der Mann hat einen Bereich für sich und die Frau
einen Bereich für sich?
Venn: Darin sehe ich die Zukunft. Gerade wenn Männer häuslicher werden, wollen sie sich wohlfühlen. Ich glaube, die meisten Männer haben sich zu Hause nicht wohlgefühlt, sie wussten nur nicht weshalb. Sie sind zum Sport und zum Fußball gegangen – warum? Weil ihnen in der Tat der Raum genommen wurde. Diesen Raum erobern sie sich wieder zurück – und ihre klugen Frauen helfen ihnen dabei. Männer fühlen sich nicht unbedingt wohl mit Schleifchen und mit Rosa, mit Blümchen, mit Röschen und mit Herzchen. Ich glaube, sie mögen diese sanfte Romantik nicht. Da fühlen sie sich immer ein bisschen fremd.
FSV: Männer wollen mehr Action, mehr Härte . . .
Venn: Richtig. Sie wollen eine Medienecke in der Wohnung, da gehört ein großer Fernseher mit Flachbildschirm dazu. Denkbar ist dann auch eine kleine Bar, extra für ihn. Ich glaube, so etwas ist ganz stark im Kommen.
FSV: Abgesehen von den schon erwähnten schwarzen Sanitär-Elementen – was gehört zu einem typischen Männerbad noch dazu?
Venn: Ein Männerbad ist nicht unbedingt ein Spa-Bad. Aber ein Spaßbad. Da muss ein Fernseher drin sein. Vielleicht sogar ein Kamin, auch ein Kühlschrank. Und ein Hometrainer. Außerdem zwei Badewannen, nicht eine. Das Badezimmer wird sich mehr und mehr in diese Richtung emanzipieren. Es wird ja immer größer. Und es ist ein sehr beliebtes Umbau- und Ausbauprojekt im Haus.
FSV: Man könnte ja auch zwei Badezimmer einrichten: eins für den Mann und eins für die Frau?
Venn: Das wäre eine Lösung. Aber ich glaube, eigentlich treffen sich Paare ganz gerne im Bad. Man könnte den Raum auch in zwei Hälften teilen, dann gibt es eine weiße Sektion und eine schwarze Sektion.
Dieser Artikel stammt aus:
Bauherren-Ratgeber, Fachschriften-Verlag GmbH & Co. KG
Sonderheft: „die neuen Bäder“.
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Beitrag vom 25. Juni 2009


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