Farbe und Licht – Psychologie der Fläche
Prof. Axel Venn | Farbwahrnehmung
Gefühle sind aktuelle Stimmungslagen, die nach dem “Grad der Berührung“ – von „Himmel-hoch-jauchzend“ bis „zu Tode betrübt“ – schwanken können. Gefühle sind stimmig und wirksam; sie kommen ohne Begründungsbezug aus. Darum fällt es uns häufig schwer, ein schlagendes Argument für oder gegen eine getroffene Entscheidung zu liefern.
Der Appell an die Vernunft ist zumeist sinnlos, da er uns zur nachträglichen, sachorientierten Motivforschung einer Entscheidung zwingen will, die ursprünglich nicht nach logischen, sondern aus lupenreinen emotionalen Gründen erfolgte.
Warum eine Dame heute einem knallroten einen pinkfarbenen Lippenstift vorzieht, bedarf es keiner system- oder logisch-orientierten Begründung.
Mögliche Antworten werden immer wie folgt lauten: „Weil es mir so gefällt“ oder „weil ich mich so fühle“ oder „weil es besser zu meinem Outfit passt“. – Auch die letzte Aussage gaukelt eine Sachargumentation nur vor; ihr Kern ist jedoch eindeutig gefühlsbetont zu werten.
Max Lüscher (80), Schweizer Farbpsychologe, äußert sich in einem Interview (touring 5/2003) auf die Frage, ob beim Autokauf Vernunftentscheide mit im Spiel seien, wie folgt:
“Abgesehen vom Preis, sind es tatsächlich mehr emotionale Gründe und unbewusste Motivationen, welche die Freude an einem Auto auslösen. Zuerst gefällt das Modell, man ist stolz es zu besitzen, wie zum Beispiel ein neues Cabriolet, dann sucht man nach Argumenten, um den Entscheid vernünftig zu begründen. In Wirklichkeit hatte einem aber die Farbe oder die Form spontan gefallen. Viele würden ein Auto nie kaufen, wäre es nur in lediglich einer Farbe zu haben, die einem nicht gefällt.“
Nützlichkeitserwägungen werden häufig nur nachgeschoben, um nur ja nicht als Traumtänzer dastehen zu müssen. Ob eine Wand im Farbton Gelb, Terrakotta oder Matt-Orange gestrichen wird, entscheidet man eher nicht aufgrund außerordentlicher Intelligenz, sondern aus einer Gemengelage archaisch-ästhetisch-assoziativer Bezüge.
So finden wir z.B. eher das als angenehm und hübsch, was wir bereits kennen. „Die Liebe auf den ersten Blick“ entpuppt sich bei näherem Befragen als Hindernislauf durch dauernde Zerwürfnisse und Wiederfinden. Farben mögen wir nur dann, wenn sie uns schon einmal begegnet sind. Ohne die vielen Urlaubstage sonnenhungriger Touristen am Mittelmeer hätte es nie einen noch immer populären Mediterranen Landhausstil gegeben. Denn ihn haben wir bei Tapas und Sangria den Mallorquinern abgeschaut und lieben gelernt und sogleich importiert.
Forscher von der Cornell University / Ithaka haben festegestellt, dass Elfenbeinsittiche über spezielle, individuelle Lockrufe Artgenossen herbeizitieren. Die größte Aussicht auf erfolgreiches Beisammensein hat jener Sittich, der das Gezwitscher möglichst originalgetreu zu imitieren vermochte. Wir finden immer die Menschen am sympathischsten, von denen wir meinen, dass sie uns sehr ähnlich sind.
Gleiche Vorlieben: schnelle Freundschaften. Am Hofe Louis XIV, dem Sonnenkönig, stand der Günstling in höchstem Ansehen, der in vollendeter Weise seinen Souverän in allen Dingen nachzuahmen vermochte. – Eltern finden ihre Kinder besonders dann entzückend, wenn den Kleinen Ähnlichkeiten und Eigenschaften ihrer Erzeuger nachgesagt werden.
Was hübsch ist, entscheiden wir selbst. Kriterien der Schönheit sind wechselhaft wie der Wind. Sie entziehen sich jeder modellhaften Kategorisierung. Tatsächlich sind wir bei ihrer Entschlüsselung auf unsere Empfindungen und Gefühle angewiesen.
Die verschiedenen Gefühlswelten stellen in unserem Leben eine Art Leitfunktion dar, die uns durch die Untiefen einer cognitiv-orientierten Umwelt manövriert. - Der Vorstandschef von Daimler-Chrysler, Schrempp, bemerkte zu dieser Thematik vor wenigen Jahren, dass mindestens fünfzig Prozent seiner Entscheidungen aus dem Bauch kommen. Fragt sich nur: Waren das auch die erfolgreicheren?
Langfristig sind Gefühlswelten stabiler als Sachwelten, die von häufig kurzfristigen Nützlichkeitsbestrebungen geprägt sind. Gefühlswelten besitzen einen archaischen Kern der mit der Geburt erworben wird, hinzu kommen Verknüpfungen individueller und zeitgeistiger Empfindungsaufnahmen.
Gefühle sind entscheidend:
„Alles, was wirklich zählt, ist Intuition“ Albert Einstein
Emotionen sind es, die die wesentlichen Impulse für unsere Entscheidungen vermitteln. Neurologen und Psychologen hatten schon immer die Vermutung, dass die Entscheidungsfindung nicht so sehr auf systematischen Denkvorgängen basiert, sondern aufgrund unserer gefühlsorientierten Konstitution. Der Grund dafür ist plausibel: die stammesgeschichtliche Biografie der Gefühle ist älter als die des Logos. Allein deswegen greifen Menschen aus „alter Gewohnheit“ zu dem ur-bewährten Prinzip der Gefühlsorientierung. Pragmatiker meinen, es sei auf jeden Fall sicherer der Weisheit der inneren Stimme zu folgen.
Einen ziemlich komplizierten und aufwändigen Vorgang stellt das Prinzip der Gefühlsentstehung dar. Von Bedeutung ist, dass sie einem reproduzierbaren Plan folgt. Bei der rein optischen Wahrnehmung oder gestalterischen Auseinandersetzung mit Farben, spielt sich stets eine ähnliche Begegnungschoreografie ab, die in immer ähnlichen Schritten, bzw. Zeitfolgen, passiert.
Gefühle entstehen aus:
- Farbeindruck
- Empfindung und
- Anmutung.
Damit Gefühle sich beim Betrachten entwickeln können, fließen im Laufe eines Wahrnehmungsprozesses Sinnesdaten zwischen Gegenstand, Auge und Hirn. So löst eine licht-gelbe Küchenzeile mit hellgrauen Applikationen folgende Erkenntnis- und Gefühlssignale aus:
- Der Farbeindruck ist hell,
- die Empfindung ist licht und
- die Anmutung ist funktional.
Das Gefühl, das als Signal entsteht – wohl auch vom Hersteller so beabsichtigt war – ist:
angenehm, sicher, vertrauensvoll,
pflegeleicht, sachlich.
Vorkenntnisse und Erfahrungswerte fließen in die Bewertungen ein. Darum sind Gefühlshorizonte der Menschen abhängig vom Alter, Geschlecht, kulturellem Umfeld und sozialer Zugehörigkeit. Die neuere Farbforschung beginnt, sich mehr und mehr diesem Gebiet wissenschaftlich zu nähern. Am besten gelingt dies über Gefühlswelten, die als Polarität formuliert und abgefragt werden. Polaritätenprofile besitzen den Vorteil, dass sie die Übersichtlichkeit erhöhen.
Typische psychologische Polaritätenprofile sind:
sympathisch versus unsympathisch
kühl versus warm
freundlich versus grob
weiblich versus männlich
sauer versus süß
schön versus hässlich
elegant versus schlampig
teuer versus billig.
Einzeltöne, aber auch Farbkombinationen können in dieser Weise auf ihre Gefühlszugehörigkeit individuell, aber auch kollektiv nach Alters- oder Geschlechtszugehörigkeit abgefragt werden. – Wir sind also nicht auf bloße Vermutungen angewiesen, wenn es um die „richtigen“ Nuancierungen geht.
Die Farben von Autos, Flugzeugen, Bonbons, Zahnbürsten, Haaren, Sportschuhen, Hotel-Lobbys und mancher Gebäudefassade sind das Ergebnis feindefinierter Gefühlsmerkmale.
So fällt es keinem vernünftigen Verkehrspiloten, noch seinen Passagieren, ein, in eine schwarze oder mittelbraune Passagiermaschine zu steigen, genauso wenig möglich wäre es, eine Luxusreise auf einem tiefroten Kreuzfahrtschiff zu unternehmen. Ebenso wenig gerne äße man blaue Bananen, braune Äpfel und weißen Lachs, weswegen die in der Zucht aufwachsenden Lachse tüchtig mit rotem Farbstoff gefüttert werden. Die Kolorits der Zahnbürsten sind zumeist hell, bzw. pastellfarbig – eine Ausnahme bilden schwarze Zahnbürsten, die sich nach Aussagen des Herstellers ausschließlich(vorzugsweise mit schwarz, rot, goldenen Borsten versehen) in Deutschland verkaufen lassen.
Jede Empfindung hat ihre eigenen Farben und ihren speziellen Zeichnungsduktus. – So assoziieren wir „Liebe“ vorwiegend als Orange, Rot, Tiefrot und rund geformt. „Hass“ stellt sich uns als aggressiv-anmutende Eigenschaft dar, deswegen ist er Schwarz, Braun, manches Mal von Rot oder Blau verziert und chaotisch-wirr gezeichnet.
Aufgrund vergleichbarer kultureller und geografischer Herkommen empfinden Mitteleuropäer farbig sehr ähnlich. „Schlampig“ provoziert Farbtöne nahe am Schmutz. „Elegant“ stellt sich verhalten, wie Seidentöne dar. „Kühl“ ist wie Wasser und Luft, Wärme dagegen Rot-Blau-Orange wie das Feuer. – „Süß“ ist himbeerfarbig wie Marmelade und „sauer“ so Gelb-Grün wie Limonen.
„Sympathisch“ ist immer pastellig rein und schwankt zwischen warm- und kühltonig. „Unsympathisch“ ist finster und unnahbar wie die dunkle Nacht.
Farben sind nichts anderes als
„Die Sehnsucht nach Selbsterfindung“.
Und nichts ist steter als der Wechsel.
Philosophisch betrachtet, bedeutet der ewige Reiz des latenten, oft schubhaften Veränderungsbedürfnisses unserer postmodernen Sensual-Gesellschaft nichts anderes als die Suche nach dem archaischen Urbild.
Das bedeutet aber nicht, dass Menschen nur nach Stetigkeit oder markanter Andersartigkeit streben. Sie trachten heute und zukünftig eindeutig nach dem harmonischen Mittel-Weg. Wonach sie suchen, kann man als das Diktat des feinen Unterschieds bezeichnen. Der transportiert genügend Persönlichkeits-Kick. Die große Egozentrik-Darstellung macht dagegen einsam.
Die Menschen beherrschen mehr und mehr die feinst differierenden Merkmale von Farben, Produkten, Oberflächen und Anwendungen, also die ganze Palette der Interior Welt. Farben benötigen sie deswegen, weil sie zu einzigartigen Instrumenten ihrer Persönlichkeit arriviert sind.
Das Gästeklo und die neue Küche sind zu statusorientierten Fetischen ihrer egozentrischen Lebenswelt geworden…
Trends sind aus unserem Leben nicht wegzudenken.
- Die Suche nach Neuem hatte schon immer größere Anziehungskraft als Rückbesinnung.
- Nur das Futuristische ist das wahrhaft Schöpferische. Dagegen steht das beliebte Nostalgische, häufig romantisch Verbrämte, das einen nicht zu übersehenden Vertrauensbonus genießt, der sich auf das bewährt-bekannte Ausprobierte gründet.
- Trends sind deswegen so wichtig, weil sie anstelle dessen, wessen wir überdrüssig sind, etwas Neues entgegen stellen.
- Das Vergangene lieben wir gelegentlich nur als nostalgisches Relikt, so die Vespa der 50er , die Schlapphosen der frühen und die Blumen- und Zwiebelmuster der späten 70er Jahre.
Jede Epoche äußert sich in differenzierten Zeitgeist- und Zeitempfindungs-Haltungen, die nicht nur das tägliche Leben begleiten, sondern auch starke makroökonomische Einflüsse in vielfältiger Weise bewirken.
So war die Mitte der 80er Jahre durch eine Leichtigkeit des Seins und Kalkulierbar- Minimalen gekennzeichnet. Produkte des täglichen Bedarfs waren eher auf Reduktion und absolut unprätentiöse Natürlichkeit getrimmt als auf laute Prägnanz. High-tech äußerte sich in erster Linie in leichten Konstrukten, genauso wie die Nouvelle Cuisine und Coca-Cola light sich mit eher Wenigem und Leichtem als Vielem und Schwerem identifizieren ließen.
Die zukünftigen Farbtrends sind individueller. Persönlichkeit geht vor Sozio- oder Altersgruppierung. Nicht mehr das Geschlecht oder das Einkommen sind ausschlaggebend, sondern das Wissen, Gefühls- und Zufriedenheitsmerkmale und situative Befindlichkeiten geben Orientierung vor.
Die letzten Jahre des 20. und die nächsten Jahre des 21. Jahrhunderts sind durch die folgenden Lifestyle Inhalte geprägt:
1985: Light, Sportif, Hi-tech (mental)
1990: Erlebnis, Abenteuer, Spannung (expressiv)
1995: Lust, Erfolg, Neid, Befriedigung (emotional)
1999: Traum, Sehnsucht, Erinnerung (nostalgisch)
2002: Purismus, Konstruktion, Wissen (cognitiv)
2004: Lustgewinn, Gefühl, Pathos (sensationell)
2008: Genuss, Feminin, Liebe (dynamisch)
Farben in all ihrer optischen Vielfalt, ob matt, glänzend, opak, opal, schimmernd, schillernd, interferierend, laut, leise, betonend oder verhüllend, vergraut oder leuchtend sind wesentliche, wenn nicht die wichtigsten Trend-Instrumente.
Leider können wir nur zwischen 6 und 10 Millionen Farben wahrnehmen. Bedauerlicherweise sehen wir bei Dunkelheit keine Farben, da die dafür zuständigen Zapfen versagen. Die Stäbchen, die dann alle Sehfunktionen übernehmen, zeigen die Umgebung nur in Schwarz und Grau.
Goethe sagt in seiner Farbenlehre: „Farben sind Kinder des Lichts“.
Wie interessant wäre es, uns weitere versteckte Farbfelder zu eröffnen; allein schon jene Wellenlängen die neben dem sichtbaren Rot und dem Blau lägen, also Infra-Rot und Ultra-Violett reichten aus, um ungeahnte Erlebnisse zu haben.
Bei der Kombination von Farben und Gerüchen und Griffanmutungen werden ihre übereinstimmende Sinneswahrnehmungen/Synäthesien) und Assoziationen (mentale Brüche) immer wichtiger. Farben sind erst dann harmonisch, wenn sie z.B. auf gleicher haptischer (Griff) oder olfaktorischer (Geruch) Wellenlänge wirken (s. Matrix).
Widmen wir uns den sichtbaren Farben und ihren Trends:
Die metallischen Töne haben ihren Zenith erreicht. Sie zeigen zuviel Coolness, Konstruktives und Puristisches. Ihre Nähe zu Eisen, Stahl, Aluminium und Chrom ist zu dicht.
Die Ära der Eisenregale, Chrom- und Industrieglastischen geht zu Ende. Das Technoide hat ausgedient.
1. Deutliche Favoriten sind Töne, die multi-ethnisch, multi-kulturell geprägt sind; so:
- schillernde und schimmernde Schwarz-Blau Nuancen
- weiche, matt-perlige Warm-Weiß Töne
- verrückte Rosé-, Violett- und Gift-Grün Paletten.
Seiden-, Perlmutt-, Samt- und Brochéoptiken in orientalischen und ostasiatischen Farben und Materialien bleiben „In“.
2. Als weiteres Thema eröffnet sich ein Farbfenster, das sich mit Elementarem, Genuinem aus der lebendigen und toten Natur beschäftigt:
- Erd-, Ton- und Keramik-Farben
– von Braun bis Terrakotta und Grau-Weiß - Matt-schwarz, Silbrig-Elfenbein und lichtes Rosa
- Steinartige Basalt-, Sand- und Grau-Töne
Dies sind Farben aus Wüsten und Steppen Afrikas und 1:1 Kopien von Ton, Erden, Borken und Steinen.
3. Die genießerische, sehr dem Menschen zugewandte Farbwelt schwelgt zwischen Leichtigkeit, Fraulichkeit und Lieblichkeit:
- Helle Bleu-, Himmels- und angedüsterte Wassertöne
- Ausdrucksvolle Beige-, Haut- und Sand-Farben
- Elegant-edle, Alt-Rosa, Grau-Violett- und Licht-Orange -Coloraturen.
Die zukünftigen Wertefelder, die von Innigkeit, Leidenschaft und Liebe geprägt sind, verlangen auch nach Eloxal und Goldtönen. – Anleihen an die heiter-pastellige, spielerische Farbigkeit der 50er Jahre sind eindeutig auszumachen.
Kinder-, Mädchen- und Frauen-Farben prägen besonders markant die Choreografien der kommenden Farbpaletten. Ihre Inhalte sind - im Gegensatz zu früher - nur selten auf prägnante Signalvermittlung aus. Sie beschäftigen sich dagegen mit geheimnisvollen, symbolhaften, verklausulierten Botschaften von Mythen, Nixen und Feen aber auch mit genussvollen, weltläufigen, metropolhaften Szenarien und mit lasziver Eleganz, hoheitsvoller Distanz und erotisierender Beiläufigkeit.
Neben aller farbigen Prägnanz, existiert Sehnsucht nach Langweile und einfachster Schönheit. Genauso unverkennbar ist eine erwachende Passion nach Stillstand, Einsamkeit und Wirkungslosigkeit auszumachen: - Das heißt, anstelle von lauter Prägnanz kommt Schlichtheit, anstelle von Buntheit – farbige Ruhe, anstelle von Rot, Blau, Gelb und Grün kommt Weiß zum Zuge. – Das Weiß ist wieder entdeckt – als ultima ratio einer fantasievollen Reduktion.
Gestaltung beschäftigt sich zukünftig weniger mit Fragen der Ästhetik als mit jenen der Philosophie. Gerade Produkte des Innenraumes benötigen Sinnhaftigkeit und nicht nur Wirkung. Sie sind nur dann gut, wenn sie im Kern philosophisch sind, also unserem Leben Gewicht geben.
Das Gestalten mit philosophischen Hintergründen wird zum Mega Trend. Die Spaß-Gesellschaft (Hedonismus) entwickelt sich zur Genuss-gesellschaft (Epikureismus), danach folgt die Gefühls- und Wissens-Gesellschaft (Kulturismus).
anstelle von Spaß entsteht Genuss
anstelle von Leichtsinn entsteht Tiefsinn
anstelle von Danebenhalten entsteht Wirkung
anstelle von Verfügbarkeit entsteht Verführung
anstelle von Comedy entsteht Pathos
anstelle von Unterhaltung entsteht Gehalt
Schon heute ist Gestaltung ein interdisziplinäres Vorhaben.
– Autos werden von Technikern, Produktdesignern, aber auch von Psychoakustikern, Orthopäden, Ergonomen, Wahrnehmungs- und Verhaltenspsychologen, Farb- und Textildesignern usw. usw. entwickelt.
Interdisziplinäres Zuarbeiten ist prinzipiell auch bei der Gestaltung von Wandprodukten angesagt. Insbesondere wahrnehmungspsychologische Grundsätze wie Vereinbarkeit von Farbe, Muster, Struktur und Materialität nach assoziativen (mentalen) und synästhetischen (sinnlichen) Merkmalen sollten auf die creative Gestaltung mehr Einfluss nehmen.
Aber auch Ergebnisse der Ästhetik-Forschung, so die Bereiche von Harmonie und Balance, von Symmetrie und Schönheit versus Chaos und Hässlichkeit. Die Mehrheitsfähigkeit, bzw. latente Akzeptanz hängt ursächlich mit arttypischen Merkmalen und Verhaltensmustern der Menschen zusammen. Deswegen sind wir eher auf Parallelität, Gleichklang und Wiederholung konditioniert als auf ihre Gegensätze. Deswegen empfinden wir beispielsweise Vertikalstreifen schöner als horizontal orientierte, Diagonalstreifen mögen wir nicht.
Unser Farbbewusstsein ist nicht nur anekdotisch ausgerichtet. Archetypische Prägungen wie Rot/Feuer, Blau/Ferne, Gelb/Blüten sind für Wohlfühlen und Sympathie ebenso verantwortlich wie Trend- und Modevorgaben so Rot-Orange-Hellgelb/exotisch, Gelb-Creme-Magenta/lecker oder Blau-Grün-Rosa/künstlich.
Die Arbeitsfelder - nicht nur für optische, sondern auch für alle anderen Sensual-Phänomene werden immer komplexer und darum verlangen ihre Anwendung und Umsetzung in Sachprodukte immer mehr Wissen und Erfahrung. – Jede Gelegenheit, Erfahrungsaustausch zu betreiben, müssen wir nutzen, denn Gestaltung ist zu wertvoll, als dass wir Design den Designern allein überlassen können.
Alphabet der Gefühle
· Gefühle und Appetit
· Gefühle und Blumen
· Gefühle und Chemie
· Gefühle und Dauerstreit
· Gefühle und Erotik
· Gefühle und Farben
· Gefühle und Gedichte
· Gefühle und Hochzeit
· Gefühle und Identität
· Gefühle und Jugend
· Gefühle und Katastrophen
· Gefühle und Liebe
· Gefühle und Mutterinstinkt
· Gefühle und Neid
· Gefühle und Obsessionen
· Gefühle und Psychologie
· Gefühle und Querelen
· Gefühle und Romantik
· Gefühle und Sinnlichkeit
· Gefühle und Treue
· Gefühle und Urtriebe
· Gefühle und Vergnügen
· Gefühle und Wahrheit
· Gefühle und X-Chromosom
· Gefühle und Y-Chromosom
· Gefühle und Zauberei
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Beitrag vom 25. Juli 2007


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