Die Zukunft ist Bunt

Prof. Axel Venn | Zukunft und Trends

Trendforscher haben sich festgelegt: Nach viel Lila und Grün werden sich bald satte Farben in wilden Kombinationen durchsetzen. Der Grund: Die Nostalgiewelle ist vorbei, man traut sich wieder.
Auszüge von Prof. Axel Venn in: „Die Zukunft ist Bunt“ von Katrin Blawat in der SZ WISSEN 5/2008 Zu: Das Prinzip Buntstift - Wozu dienen Trends? - Nostalgie ist out - Farbassoziationen sind erlernt

Das Prinzip Buntstift
Lila und Grün – das sind aus Sicht der Trendforscher die Favoriten der nächsten Zeit. „Diese beiden Farben, auch miteinander zu kombinieren, werden wichtig“, sagt Axel Venn, Deutschlands bekanntester Trendfarbenforscher. Für die nächsten Jahre prophezeit er das „Prinzip Buntstift“. Bunt steht in der Fachsprache für stark gesättigte und intensive Farben, ohne Weiß- oder Grauanteile, die die Leuchtkraft mindern. Bislang tauchen solche strahlenden Farben vor allem im kleinen Maßstab auf, als knallroter Gürtel zum grauen Hosenanzug oder in Form von grasgrünen Schuhen zur schwarzen Jeans.

Trends dienen vor allem dazu, die Nachfrage anzukurbeln. Zusätzlich kanalisieren sie die Wünsche der Kunden. „Man muss einen Trend so zielgerichtet inszenieren, dass eine Sogwirkung entsteht“, erklärt Axel Venn. „Wir geben eine Richtung vor, sonst gäbe es Chaos. Ohne Trends würde unsere Wirtschaft nicht funktionieren“, sagt Venn.

Nostalgie ist out
Diese allumfassende Rundschau war es auch, die zur Rückkehr der bunten Farben geführt hat. „Wir blicken heute positiver gestimmt in die Zukunft als Ende der Neunziger“, sagt Axel Venn. „Damals haben wir uns vor allem nach Geborgenheit gesehnt. “Das spiegelte sich in warmen, kuscheligen Farben wie Ocker und sanften Rottönen . Die „schreckliche Zeit der Nostalgie“ sei seit etwa vier Jahren vorbei, „und jetzt kapieren die Menschen wieder, dass farbige Kontraste auch spannend sind. Wir trauen uns, mit Farben ein Stück Identität zu zeigen.“ Gleichzeitig sei die kühle Technikverliebtheit der Neunzigerjahre und er Glaube, der Computer werde alle Probleme richten, einer eher spielerischen Beziehung zur Technik gewichen.

SZ Wissen 2Farbassoziationen sind erlernt
Die Hersausforderung für die Trendforscher besteht darin, die Aussagen der Menschen in Farbmuster zu übersetzen. Axel Venn zum Beispiel fragt, wenn er nach Ideen für die perfekte Autofarbe in fünf Jahren sucht, junge Leute unter 25 nach ihren Sehnsüchten, Wünschen und Utopien – „auf keinen Fall nach der Wirklichkeit. “Parallel hat er in einer Befragung unter Studenten ermittelt, welche Farbtöne Eigenschaften wie prunkvoll oder altmodisch repräsentieren. Die Assoziationen beruhen meist auf einem erlernten kulturellen Hintergrund; nur die Signalwirkung des gesättigten, reinen Rots bildet eine Ausnahme. Purpur verbinden die meisten Menschen mit dem Wort „kostbar“ – in dem Wissen, dass der einst aus der Purpurschnecke gewonnene Farbstoff extrem teuer war. Und auch einen bestimmten Gelbton, nur wenig dunkler als das typische Sonnengelb, bringen viele mit Prunk und Macht in Verbindung. Die Farbe erinnert an eine Löwenmähne, erklärt Venn.

Auszüge von Prof. Axel Venn in: „Die Zukunft ist Bunt“ von Katrin Blawat in der SZ WISSEN 5/2008

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Beitrag vom 24. April 2008