Die Farbe Schwarz - Ein Interview zwischen Uptown und Axel Venn
Prof. Axel Venn | Farbgestaltung, In der Presse
…
Nachtschwarz, Schattenschwarz,
Lackschwarz…
Oft führt die Gestaltung
zur Kreation mit
der Farbe Schwarz.
Herr Professor Venn, warum lieben Designer
die Farbe Schwarz so sehr?
Axel Venn: Das überlege ich auch immer.
Mittlerweile glaube ich, dass
viele Designer Angst vor Farben
haben, weil sie um deren Emotionalität
wissen. Es gibt nämlich keine
sachliche Begründung für Farbigkeit
und es wird sehr kompliziert,
es funktionalistisch zu erklären – also
nutzt man Schwarz, um sich bequem
und angenehm zu verstecken
und um Fehler zu vermeiden.
Wie versuchen die Kreativen sich von
dem letzten Schwarztrend abzusetzen?
Venn: Indem sie dem neuen Schwarz
eine andere Nuancierung geben, einen
anderen Schimmer. Und das
beweist, wie bunt Schwarz tatsächlich
ist. Das ist übrigens wichtig:
Schwarz ist keine Nichtfarbe sondern
eine Farbe, die eines vom Betrachter
verlangt: Kennerschaft. Das
heißt, man sieht Unterschiede wie
Haptik, Schimmer und Lichtreize.
Und welches Schwarz dominiert heute?
Venn: Im Moment haben wir das
changierende Schwarz, das eine
Art Flip-Flop-Effekt aufweist und
dadurch mystisch wird und große
haptische Qualitäten beziehungsweise
Differenzierungen besitzt.
Dann ist Schwarz also davon abhängig,
wie wir es erleben und sehen?
Venn: Ja und nicht zu verwechseln
mit Kompetenz. Das ist nämlich
etwas für Funktionäre und Funktionalisten.
Für viel wichtiger halte
ich den eben erwähnten Begriff
Kennerschaft. Denn der Kenner
erkennt. Für ihn ist Schwarz viel
nuancenreicher als für den, der nur
Kompetenz besitzt. Kenner sehen
wie die Farbe schimmert, welche
Oberflächenqualitäten und somatosensorischen
Eigenschaften sie hat.
Und das ist es, was die Farbe immer
wieder anders erscheinen lässt.
Welche Farbe ist die am häufigsten
wiederkehrende Farbe?
Venn: Das ist natürlich schwarz. Es
ist aber auch weiß. Schwarz ist von
beiden der auffallendere Ton, der
sich in seinen Nuancierungen seit
Woodstock immer noch als das
wesentlichste Element von Trends
präsentiert.
Gibt es besondere Merkmale, wann
ein Schwarztrend entsteht?
Venn: In finsteren Zeiten sind es ja
eher ausgelaugte Farben wie in den
40ern. Aber immer wenn es wieder
aufwärts geht, wird es farbig. Und
der Höhepunkt kulminiert immer
in Schwarz und Weiß.
…Das ganze Interview als PDF
Das Interview führte: Genia Börner-Hoffmann in uptown
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Beitrag vom 23. Juni 2010

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